Allein die Aufmachung gibt ihm Recht. Man hält nicht nur ein Buch, sondern einen Prachtband in Händen, der in opulenter Bebilderung in zwei Sprachen (Deutsch, Englisch) über Reben/Vines, Trauben/Grapes, Wein/Wine erzählt.
Das Kapitel über die Entstehung eines jungen Rebstockes, an sich eine reine Angelegenheit der Rebenzüchter, erfährt hier durch den Autor der fachlichen Texte, Karl Mayer, besondere Ausführlichkeit. Es schadet nicht, Bescheid zu wissen, über das mögliche Alter von Rebstöcken beispielsweise, nachdem auf immer mehr Etiketten die Angabe „Alte Reben“ auftaucht. Nicht uninteressant sind auch die Ausführungen zu den Unterlagsreben.
Richtiggehend spannend ist die Schritt für Schritt illustrierte Entstehung eines jungen Rebstockes, beginnend mit der Produktion der beiden Pfropfpartner, über die Veredelung, die Rebschule und das Auspflanzen bis zu seiner Erziehung in den ersten Jahren im Weingarten.
Das darauf folgende Kapitel, es leiht dem Buch den Titel Genesis, gerät zur Kür für den Fotografen. Peter Oberleithner verfolgt mit seiner Kamera das Werden des Weines von der Knospe zur Traube. Er dringt dabei in den Mikrokosmos des Traubenkernes vor, dokumentiert das erste Knospenschwellen nach der Winterruhe, zeigt das Wollstadium und lässt die werdenden Triebe sich langsam strecken, bis die Spitzen der Blattzähne erscheinen und sogenannte Gescheine sichtbar werden. Eine große Farbtafel nach der anderen zeigt eindrucksvoll das Wachstum der Traube bis zur Vollreife.
Der zweite Teil dieses Bandes ist der Ampelographie gewidmet, der Rebsortenkunde. Vorgestellt werden darin internationale Sorten und – dem Herausgeber Leo Heinz sei’s gedankt – historische Sorten. Vom Hörensagen kennt man noch einige davon, zum Beispiel den Gelbling oder Österreichisch Weiß. Wenn man aber nicht das große Glück und die Bekanntschaft eines versponnen Winzers genießt, wird man wohl nie wissen, wie ein Rotweißer Veltliner, ein Silberweißer, der Scheibkern oder ein Tauberschwarz geschmeckt haben könnten.
Mag. Johann Gans